12 Apr 2018

Spiritualität als Antwort auf Gewalt und Krise

Am 11.04.2018 hat Dr. Gerhard Breidenstein im Rahmen der Heiligenfelder Gespräche einen öffentlichen Vortrag zum Thema „Spiritualität jenseits der Religionen“ gehalten. Mehr als 50 Teilnehmer folgten der Einladung der Akademie Heiligenfeld.

„Viele Menschen haben sich von der christlichen Religion verabschiedet“, sagte Breidenstein. Gleichzeitig glauben die Menschen nach wie vor, belegte er anhand einer Studie. „Spiritualität ist wieder gefragt, aber ohne eine Bindung an eine bestimmte Religion“, so der evangelische Theologe. Die Sehnsucht nach dem „Größeren“, „Transzenten“, nach einer neuen individuellen Spiritualität ist vorhanden. Besonders kompatibel mit einem modernen, systemischen Weltbild ist nach seiner Meinung die mystische Spiritualität.

Breidenstein teilte seinen Vortrag in drei Teile. Im ersten Teil klärte er religionsübergreifend die Begriffe Glaube, Religion, Religiosität, Bewusstsein, Mystik und Spiritualität. „Mystik ist dabei die Gemeinsamkeit in den Religionen“, erklärte Breidenstein. Die mystische Mitte aller Religionen zeigt sich im Buddhismus im Zen, im Islam im Sufismus, in der Natur-Religion im Schamanismus. Sie beruht auf einem ganzheitlichen Weltbild, eine Allverbundenheit und bietet ein Gegengewicht gegen den Materialismus und kann somit eine Antwort auf Macht, Gewalt und Krise sein. Im zweiten Teil seines Vortrages stellte er seinen Glauben in einem Gedicht zur Verfügung und regte an sich die Zeit zu nehmen für die Frage „An was glaube ich?“. „Spiritualität ist auf Dauer nicht lebensfähig, wenn sie nicht praktiziert wird“, sagte Breidenstein und begann mit diesen Worten seinen dritten Teil, die Umsetzung in der Praxis. Dabei braucht sie Ausdrucksformen wie Rituale oder die Praxis der Achtsamkeit. In der anschließenden Diskussionsrunde wurden offen Fragen nach dem eigenen Glauben, Sinn, Sehnsucht und der eigenen gelebten Spiritualität besprochen. „Ein sehr interessanter Vortrag, von einem weisen alten Mann“, waren sich die Teilnehmer einig.