23 Jul 2019

Unser Essen – unser Klima: Bittere Schokolade – Fairness und Ökologie in der Kakaowertschöpfungskette

Bereits zum sechsten Mal fand am Mittwoch, den 10.07.19 eine Kooperationsveranstaltung des Bund Naturschutz (BN) Bad Kissingen und der Akademie Heiligenfeld statt. Anhand von anschaulichen Beispielen und leckeren Kostproben gab der Biologe Dr. Arno Wielgoss den 75 Anwesenden einen kleinen Einblick in die Kakaowelt und zeigte Wege zum nachhaltigen Kakaoanbau auf, damit die Situation für Umwelt und Mensch entspannter werden kann.

Dr. Arno Wielgoss studierte zunächst Biologie und promovierte in tropischer Agrarökologie. Seit Vereinsgründung entwickelt er Projekte in ökologischer Landwirtschaft, Biodiversitäts – und Regenwaldschutz. Als Koordinator ist er zudem für die Organisationsstruktur der Bauernvereinigung und den Erwerb und Erhalt des EU – Bio- und FairTrade Siegels verantwortlich. Zusammen mit den Bauern arbeitet er daran, die Qualität des Kakaos ständig zu verbessern und den Zugang zum europäischen Markt zu ermöglichen. In Deutschland kümmert sich Herr Wielgoss mit zahlreichen Lichtbilder-Vorträgen und Texten um die Öffentlichkeitsarbeit. Nicht zu vergessen ist auch seine Beschäftigung in der privaten Entwicklungszusammenarbeit in Peru, die er seit 19 Jahren ausübt.

Im Rahmen des vom Umweltministerium geförderten Umweltbildungsprojektes „Unser Essen unser Klima“ nimmt der Bund Naturschutz auch den Konsum von Schokolade und dessen Auswirkungen auf die Natur und Landwirtschaft unter die Lupe. Der steigende Bedarf an Kakao weltweit hat zum Teil verheerende soziale  und ökologische Auswirkungen in den Anbauregionen.

Nach der Begrüßung von Anita Schmitt, Leiterin der Akademie Heiligenfeld, erinnerte der Vorsitzende der BN –  Kreisgruppe Franz Zang daran, dass Schokolade in seiner Kindheit etwas Besonderes war, die man zu Weihnachten und zu besonderen Anlässen geschenkt bekam. „Heute müsste die Tafel Schokolade 5-10 € kosten, wenn man die Preise von früher hochrechnet.“ erwähnt Zang, „Schokolade ist billig geworden auf Kosten der Natur und der Erzeuger.“ So kommen jetzt nur 6,6% des Erlöses beim Erzeuger an. 1980 waren es zumindest noch 16%.
Anschließend stieg der Referent Dr. Arno Wielgoss in die Problematik der wachsenden Nachfrage nach Kakao und deren Folgen für die Regenwälder in Afrika, Asien und Südamerika ein. 70% des weltweiten Kakaos werden heute in Afrika angebaut, 90% der Schokolade wird über Regenwaldzerstörung durch Brandrodung produziert. Die CO2-Freisetzung durch Brandrodung trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Da in den Regenwäldern 90% aller Tier- und Pflanzenarten zu finden sind, geht auch die Artenvielfalt bei konventionellem Kakaoanbau dramatisch zurück. Nach diesen Informationen verging daher dem Zuhörer schnell die Lust auf Schokolade.

Dass es jedoch auch anders geht, zeigte der Referent an dem von ihm mit aufgebauten Projekt PeruPuro auf. Hier werden Bauern beim durch ökologisch angepasstem Agroforstanbau von Kakao auf der kompletten Handelskette bis zum Verkauf unterstützt unter dem Motto: Mehr als fair, besser als Bio, maximale Qualität. Mit der Urkakaobohne „Chuncho“ wird im Ursprungsland der Speise der Götter Peru Regenwaldschutz, gerechte Bezahlung der Bauern und höchste Qualität unter einen Hut gebracht.
Diese Bestrebungen werden durch die Nominierung für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 und den Einzug ins Finale der International Chocolate Awards sowie des Wettbewerbs “Die Lieferkette lebt” gewürdigt. Zu erwerben sind die Kakaoprodukte von Perupuro in Eine-Weltläden und im online Versand. Über Angebote für weitere Vermarktungswege würde sich Dr. Wielgoss freuen.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit zum Informationsaustausch und persönlichen Kennenlernen. Natürlich durften auch Kostproben des nachhaltig und fair produzierten Kakaos in Form von Schokolade oder Kakaoschalen nicht fehlen, die den Anwesenden zeigten, dass es auch nachhaltigen Genuss gibt.

Foto: Elisabeth Assmann