18 Nov 2019

„We Space – eine neue Form des Miteinander“

Im Rahmen der Vortragsreihe „Heiligenfelder Gespräche“ hat der Philosoph Dr. Thomas Steininger am 06.11.2019 die neuen Formen einer We-Space Arbeit, Experimente einer kollektiven, gemeinsamen Achtsamkeit vorgestellt. Der Vortrag fand in der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen statt.

Dr. Thomas Steininger ist Herausgeber des Magazins evolve. Er studierte Philosophie an der Universität Wien mit einem besonderen Schwerpunkt auf Bewusstseinsentwicklung und soziale Evolution. Heute leitet er emerge-bewusstseinskultur e.V. Deutschland und moderiert das Webradio Radio evolve. Er ist Fakultätsmitglied an der Meridian University in Kalifornien und Mitorganisator der jährlichen Spirituellen Herbstakademie Frankfurt. Gemeinsam mit Elizabeth Debold hat er den emerge-dialogue prozess eine innovative, auf Wir-Felder orientierte Dialogform entwickelt.

In seinem Vortrag verwies er auf die Herausforderungen eines neuen Miteinander. Diese ergeben sich aus den Tatsachen, dass sich zum einen bisher keine Generation so stark mit sich selbst beschäftigt hat, zum anderen die Einflüsse von permanenter Verbindung mit dem Internet einen neuen Sozialisationsmodus darstellen. Steininger stellte dar, dass die Arbeit in Wir-Räumen als Reaktion hieraus entsteht, sich wieder als Mensch und einer Verbundenheit mit anderen über die digitale Wahrnehmung hinaus bewusst zu werden. Dies könne in einem offenen Wir-Raum geschehen in dem Dialog ohne die Mitnahme der Meinung von eigenem Wissen und ohne Erwartungshaltung entstehen kann.
Die Formen unterscheiden sich laut Steininger vom präindividuellen und individuellen bis zum transindividuellen Wir-Raum, der uns durch Kraft und Fluss im Miteinander als Einzelne übersteigt und die Wahrnehmung auf gemeinsame, freiheitsgetragene Einsichten richtet.

Diese Wir-Räume sind Teil unserer Existenz, können sich bei Bewusstwerdung in der Qualität jedoch radikal ändern. Zur Entstehung wird außer „geschützten Biotopen“ auch eine tiefe menschliche Reife benötigt. Selbst in Videokonferenzen ist die Entstehung von Wir-Räumen durch Übung möglich zeigt Steininger durch Darstellung des Projekts „One World in Dialogue“, ein Beziehungsnetzwerk mit Bewusstseinskultur via Internet auf.
Am Ende seiner Ausführungen beantwortete Steininger die gestellten Teilnehmerfragen und klärte auf, dass eine übende Erschließung der Wir-Räume bei Wachheit für die gemeinsame Anwesenheit möglich ist, und eine erstaunliche Kraftentfaltung in sich birgt. Resonanzen können eine Grundlage bilden, Dissonanzen jedoch eine besondere Spannung einbringen, da gerade an Reibungsstellen kreativste Durchbrüche durch die Auslebung in der Offenheit entstehen können.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit zur Nutzung des Wir-Raums mit persönlichem Kennenlernen bei einem Imbiss.