3 Dez 2019

Wichteln mal anders: Zeit statt Zeug

Nur noch wenige Wochen und dann ist Weihnachten. Auf dem Weg zum Christfest versüßt uns sowohl der Adventskalender als auch das aus Skandinavien kommende Wichteln die Wartezeit auf die Bescherung. Das Wichteln kommt aus dem Schwedischen und bedeutet so viel wie Weihnachtsgeschenk. Wichteln erfreut sich in Deutschland gerade unter Arbeitskollegen, in Vereinen und in Schulklassen großer Beliebtheit. Die Geste des Schenkens und somit das erwartungsfreie und bedingungslose Hingeben ist ein Akt der Liebe und Güte.

Wie geht Wichteln?

In der Praxis kauft jeder ein meinst monetär limitiertes Geschenk, ohne zu wissen für wen. Die Geschenke werden zusammengetragen und eine zufällige Auswahl bestimmt, wer dann damit beschenkt wird. Da dies alle machen, bekommt auch ein jeder ein Geschenk. Der ursprüngliche Brauch war noch ein wenig geheimnisvoller. Vereinbart man heute in der Regel einen bestimmten Zeitpunkt der Übergabe, wurde ursprüglich innerhalb der Adventszeit verborgen das Wichtelgeschenk dem anderen zugesteckt. Deshalb auch das “Wichteln”, denn dieser nordischen Gestalt aus der Sagenwelt spricht man überraschend Gutes zu.

Außergewöhnliche Formen des Wichtelns

Wichteln ist gerade bei jungen Menschen sehr beliebt. Um mehr Spass zu erzeugen und gleichzeitig seine überflüssigen Dinge aus der Wohnung zu bekommen, wurde das “Schrottwichteln” eingeführt. Dabei wählt jeder Schenkende einen ungeliebten, geschmack- und nutzlosen Gegenstand als Geschenk aus. Somit kommt “Zeug” in den Umlauf, das für den Gebenden keinen Nutzen mehr hat und voraussichtlich auch nicht für den Nehmenden. Mottowichteln ist auch im Trend. Hier vereinbart man einen Geschenktyp, wie zum Beispiel Pflanzen oder Süßigkeiten.

Wichteln ist Schenken von Zeug

Nicht immer trifft der Gebende den Geschmack des Beschenkten. Oft ist es so, dass die meist geringwertigen “Wichtelpräsente” überhaupt nicht gebraucht werden, nicht gefallen und im Schrank oder im Müll landen. Sehr schnell wird Wichteln dann ökologisch und öknomisch total unsinnig und auch die eine oder andere Freundschaft innerhalb der Gruppe wurde durch das Schenken von “unnützem Kram” belastet.

Wichteln mal anders: Zeit statt Zeug

Unsere Erde braucht nicht ein Mehr an materiellen Dingen. Wir alle haben Sehnsucht nach Stille, dem Gemeinsamen, dem Staunen und dem Wunder, für das Weihnachten steht. Zeit zu Schenken ist das wertvollste, was ein jeder zu geben hat. Bewusst etwas mit jemanden anderen zu machen, etwas gemeinsam zu erleben, das ist ein Wichteln mit mehr Menschlichkeit. Zeit statt Zeug, ein aktives Wichteln. Zudem ist es besonders nachhaltig, denn ökonomisch kann es, wenn gewollt ist, auch umsonst geschehen. So könnte ein Wichtelgeschenk vielleicht ein Spaziergang zu zweit im Park oder im Schnee sein. Ökologisch sinnvoll ist es zudem, denn ein Erlebnis kann ganz umweltfreundlich gestaltet sein, wie ein gemeinsames Backen von Plätzchen oder eine gemeinsame Zugfahrt zum nächst größeren Weihnachtsmarkt. Der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit kommt auch nicht zu kurz, denn Gemeinschaft, Freundschaft und Verbundenheit ist das Erfüllendste, das wir uns in unserer gesättigten Gesellschaft wünschen können.

Wichteln nicht nur in der Weihnachtszeit

Viele Menschen praktizieren den Brauch des Wichtelns in der Vorweihnachtszeit. Mit der schon beschriebenen Grundhaltung des Schenkens passt er sehr gut in diese Zeit. Ich möchte aber auch anregen, einige Wochen später, zu Beginn des neuen Jahres “Zeit statt Zeug” als Geschenk zu praktizieren. Denn wie könnte ein neues Jahr schöner beginnen, als mit einem Geschenk und der Vorfreude auf eine gemeinsame Zeit. So könnte direkt an Neujahr unter den Gästen gewichtelt werden und diese könnten sich dann gegenseitig wieder mit Hilfe des Zufalls beschenken. Einzulösen wäre der “Gutschein” dann im Verlauf des neuen Jahres.

Zeit statt Zeug schenken

Nun ist es nicht ganz so einfach, auf Ideen für das Aktivitäten-Wichteln zu kommen. Deshalb hier ein paar Vorschläge:

Gemeinsame/er….

  • Spaziergang im Park im Sommer oder eine Schneewanderung im Winter
  • Besuch einer Rodelbahn ob auf der Sommerrodelbahn oder Schlittenfahren im Winter
  • Schlittschuhlaufen auf einem See oder in der Eishalle
  • Besuch des Zoos, Tiergeheges oder Weihnachtsmarkt
  • Waldspaziergang oder Wanderung von Berghütte zu Berghütte im benachbarten Gebirge
  • Hausmannskost oder exotisch kochen oder gemeinsam grillen
  • Besuch eines Konzerts, Museums, Festivals oder einer Diskothek, Trampolinhalle, eines Escape-Rooms oder Demonstration
  • Plätzchen backen, Marmelade einkochen, Malen und Zeichnen, Beton gießen, Lettering/Karten gestalten (DIY-Trend)
  • Kanufahren, Fahrradtour, Elektro-Roller-Tour, Elektro-Scooter-Tour, Reiten
  • Geschenk basteln statt bestellen
  • Hunde ausführen im Tierheim oder vom Nachbarn
  • Gartenarbeit, Bäume pflanzen, Müll am Wegesrand entsorgen

Noch ein Tipp: Je aktiver und erlebnisreicher die Geschenke, desto wertvoller und erinnerungwürdiger sind sie.

Einige Inspirationen habe ich mir auch auf der Internetseite www.zeitstattzeug.de geholt. Schauen Sie doch dort einmal vorbei, wenn Sie Ihren Lieben das wertvollste überhaupt schenken möchtet: Ihre Zeit.

Von: Anita Schmitt