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Intersubjektivität, „deep listening“ und Kommunikation – Interview mit Dr. Walter Dmoch

Im April findet zum ersten Mal in der Akademie Heiligenfeld die Fortbildung Intersubjektivität, „Deep listening“ und Kommunikation mit den Referenten Dr. Walter Dmoch und Thorsten Zörner statt. Um Ihnen einen kleinen Einblick in das Seminar geben zu können, haben wir vorab ein Interview mit dem Privatdozenten Dr. Walter Dmoch geführt, der uns einige Fragen zur Veranstaltung beantwortet hat:

Was versteht man unter den Begriff Intersubjektivität?

Intersubjektivität stammt als Begriff ursprünglich aus der Philosophie und meint, dass Wahrheit nicht „an und für sich“, sondern nur im Dialog gemeinsam bestimmt werden kann. Innerhalb der Psychoanalyse der letzten 15 Jahre wird die Intersubjektivitätstheorie von Stolorow, Atwood und Orange als eine der wichtigsten Weiterentwicklungen gesehen. Im Unterschied zu Freud, der als Deutungsgeber den Patienten zur Selbsterkenntnis leitet, wird Therapie als Prozess gemeinsamer Konstruktion von Patient und Therapeut verstanden. Der Therapeut bleibt nicht neutrale Instanz, der die Selbsteinsicht des Patienten voranbringt, sondern ist dabei auch im eigenen Erleben betroffen und zu Entwicklung angeregt.

Das Gelingen der Therapie beruht darauf, dass sich im interpersonalen Prozess der Therapie beide Beteiligte weiterentwickeln. So hat es in den vierziger Jahren bereits H.S. Sullivan in der „Interpersonalen Theorie der Psychiatrie“ beschrieben. Meist wird in psychoanalytischen Seminaren und sogar im Therapiedialog vorwiegend kognitiv-intellektuell darüber räsoniert, doch volle Intersubjektivität in der Therapie wird erst verwirklicht, wenn beide „mit Leib und Seele“ wahrnehmen, was und wie sie die gemeinsame Wirklichkeit gestalten. Wir wollen für die Teilnehmenden das Erleben von Intersubjektivität leiblich und sinnenhaft erfahrbar machen, damit sie ganzheitlich und nicht nur mit „gespitzten Ohren“, sondern mit allen Sinnen lauschend zuhören.

Mit welchen Übungen arbeiten Sie in diesem Seminar?

Um die Fähigkeit zum „deep listening“ (Pauline Oliveros) zu entwickeln, verwenden wir Bewegungselemente aus dem argentinischen Tango, welche den Teilnehmenden die Erfahrung von „Embodiment“ und die Funktion der Spiegelneuronen leibhaft spürbar und das zuhörende Wahrnehmen von einer leiblichen Referenzzone aus möglich machen; „deep listening“ als ein um das Leibgefühl und sein Mitschwingen erweitertes Zuhören wird so zum existenziellen „tiefen Lauschen“.

Die rhythmische Charakteristik des Tango Argentino aktiviert Bewegungsimpulse und das gemeinsame Bewegen mit Basiselementen dieses Tanzes im Konzept des „Tango Remediando®“ ermöglicht die unmittelbare Erfahrung von „Intersubjektivität“ und „Embodiment“. Obwohl wir grundlegende Bewegungen und ausgewählte Musik des TA einsetzen – Schreiten vorwärts, rückwärts, seitwärts, Wendung, Umkreisung – ist das Konzept des „Tango Remediando®“ kein Tanzkurs oder Tangounterricht, sondern leibliche Selbsterfahrung zur Entwicklung der Fähigkeit zum tiefen Lauschen.

Was können die Teilnehmer aus dieser Veranstaltung mitnehmen?

Neben Kurzvorträgen über Embodiment, Spiegelneuronen und Intersubjektivität und vertiefender Diskussion bilden interaktive Übungen im Medium des „Tango Remediando®“ das Herzstück dieses erfahrungsorientierten Trainings. Die Inhalte der Fortbildung beruhen auf universellen spirituellen Werten wie Gewahrsein, Achtsamkeit und Mitgefühl als spirituelle Qualitäten im Sinne einer religiösen Erfahrung. Diese sind jedoch nicht an eine bestimmte Religion im Sinne einer gemeindlichen Organisation oder eines Dogmas gebunden.

„Deep Listening“ ist eine professionelle Schulung zur Entwicklung der drei Kernkompetenzen des erweiterten Zuhörens als Lauschen mit Leib und Seele:

  • das Verleiblichen des Zuhörens
  • das Aufrechterhalten einer unterstützenden Präsenz
  • das Entwickeln von mitfühlendem Verstehen„Deep Listening“ entspricht der humanistischen Psychologie und dem Mitgefühl der buddhistischen Tradition. Mitnehmen werden die Teilnehmenden eine erweiterte Selbstwahrnehmung und Vertiefung des Verstehens im professionellen Zuhören.
  • Ziel dieser Lehrveranstaltung ist, die Teilnehmenden darin zu schulen, das Verfahren des Deep Listening anzuwenden und bereits vorhandene Fähigkeiten des Zuhörens in Richtung auf das Tiefe Lauschen weiterzuentwickeln.
  • Sie erlauben es, die tieferen Kanäle des Hörens zu öffnen und einer anderen Person mit Leib und Seele wirklich zu lauschen.

Weitere Informationen sowie ein Anmeldeformular zum Seminar finden Sie hier.