25 Jan 2018

Krankheit oder Begabung?

Ein Interview von Publik-Forum mit Anita Schmitt von der Akademie Heiligenfeld zum Symposium »Lebendige Hochsensibilität«.

Publik-Forum: Frau Schmitt, Sie veranstalten nun schon zum zweiten Mal ein Symposium zum Thema »Hochsensibilität«. Was verstehen Sie eigentlich darunter?

Anita Schmitt: Menschen mit Hochsensibilität haben eine erhöhte Empfindsamkeit und eine breitere Wahrnehmung. Sie spüren mehr, intensiver und gründlicher. Dieses Wesensmerkmal macht sie sehr verletzlich und führt oft dazu, dass ihnen alles zu viel wird, weil sie die vielen Eindrücke nicht mehr verarbeiten können. Wenn sie großem Stress ausgesetzt sind, kann das zu psychischen Erkrankungen führen.

Lange war Hochsensibilität gar kein Begriff. Nun hört man immer wieder von Menschen mit dieser Zuschreibung. Ist das nicht eine Modediagnose?

Anita Schmitt: Nein. Von einer Diagnose kann man sowieso nicht reden, weil Hochsensibilität ein Wesensmerkmal ist, aber keine Krankheit. Das gab es schon immer. Aber unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen kann es zum Problem werden – und tritt deshalb vermehrt ins Augenmerk.

Wie kommt das?

Anita Schmitt: Unsere Welt ist lauter geworden, schneller, komplexer. Vor allem die Beschleunigung und der ständige Input durch die Digitalisierung ist für hochsensible Menschen schwer zu bewältigen. Sie können aber lernen, konstruktiv damit umzugehen und ihr Leben gerade mit diesem Wesensmerkmal kreativ zu gestalten.

Ist Hochsensibilität auch eine Art „Begabung“?

Anita Schmitt: Ja, ganz eindeutig. Diese Menschen sind sehr feinfühlig, sie haben besondere Antennen. Deshalb finden Sie sie oft unter Künstlern, aber auch in heilenden Berufen. Sie werden sie aber auch in anderen Branchen, etwa unter Journalisten finden: Oft sind es die, die besonders quer und außergewöhnlich denken können.

An wen richtet sich Ihr Symposium?

Anita Schmitt: An Fachpersonal, also Ärzte und Therapeuten, aber auch an hochsensible Menschen selbst. In Vorträgen und Workshops wollen wir uns über Therapien und Forschungsergebnisse austauschen. Aber auch praktisch erproben, wie sich diese Gabe zum Wohl aller entfalten kann.

Ein Vortrag widmet sich dem Thema »Hochsensibilität und Spiritualität«. Gibt es da Zusammenhänge?

Anita Schmitt: Ich denke schon. Hochsensible Personen haben ein höheres Verantwortungsgefühl für das große Ganze und ihre Antennen machen sie empfänglich für das, was nicht sichtbar ist.

Das Symposium »Lebendige Hochsensibilität« wird am 2. und 3. Februar in der Akademie Heiligenfeld in Bad Kissingen veranstaltet und ist mit 200 Teilnehmern ausgebucht. Schon zum vormerken: Im Jahr 2019 wird es wieder ein Symposium zu diesem Thema geben.

Interview: Eva-Maria Lerch

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