13 Aug 2019

Ich empfehle Ihnen …

In unserer neuen Reihe stellen sich unsere Mitarbeiter vor und geben eine Empfehlung für eine Veranstaltung, zu der sie einen besonderen Bezug haben und die sie unseren Teilnehmern ans Herz legen wollen. Nachdem Ihnen in den letzten Wochen bereits Seminare und Fortbildungen aus dem Bereich der medizinischen Akademie und dem Bereich Lebenskunst vorgestellt wurden, empfiehlt Ihnen Leonie Karges diese Woche das Symposium „Die Mensch-Tier Beziehung in der Psychotherapie“, das am 30.11.2019 in den Räumen der Akademie Heiligenfeld stattfindet:

Wie lange bist du schon bei der Akademie Heiligenfeld und was sind dort deine Aufgaben?
Ich habe im August 2018 meine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau in der Akademie Heiligenfeld begonnen. Bisher durfte ich einen Einblick in die Lebenskunst- und Wir-Seminare und den Kongress „Achtsamkeit“ erhalten. Besonders der Kongress war ein besonderes Erlebnis für mich. Die Organisation und Planung für ein Großevent mit mehr als 1.000 Teilnehmern ist mein Highlight des Jahres gewesen.

Warum hast du gerade diese Veranstaltung für deine Empfehlung ausgesucht und was können die Teilnehmer deiner Meinung nach dort lernen?
Die Deutschen halten rund 34 Millionen Haustiere. Für jeden Einzelnen nimmt sein Tier einen wichtigen Platz in seinem Leben ein und wird nicht selten als Teil der Familie angesehen. Das Tier hat schon lange nicht mehr die Rolle des Nutz- oder Arbeitstiers in der Gesellschaft, es beeinflusst den Besitzer in psychischer als auch physischer Form und gibt ihm seelische und moralische Unterstützung. Auch für mich spielen meine Haustiere eine bedeutsame Rolle in meinem Leben, sie bieten einen entspannten Ausgleich im Gegensatz zum oft stressigen Alltag. Der Gedanke, Tier und Therapie verbinden zu können, ist neu und einzigartig. Auch hier in Heiligenfeld wird das Tier bei der Tierbegleitete Therapie (TBT) miteinbezogen, da es oft einen wesentlichen Anteil zur Genesung des Patienten beiträgt.

In der TBT soll die Mensch-Tier-Beziehung reflektiert werden und die verfügbaren und verbindenden Ressourcen, die aus der entwicklungs- und beziehungsorientierten Therapie entstehen, zum Wohlergehen des Tierhalters und seines Schützlings genutzt werden. Das Tier ist der Spiegel der Seele des Menschen.Wenn der Besitzer leidet, reflektiert das Haustier die Gefühle oft mit Unruhe oder Stressreaktionen. Die Tiere strahlen eine gewisse Ruhe aus, die den Patienten in allerlei Therapiesitzungen, beispielsweise in der Therapiegruppe „Achtsamkeit mit dem Tier“, unterstützt. 80% der Patienten berichteten, das sich durch die intensive Therapiezeit mit Ihrem Tier die Beziehung positiv verbesserte. Das Symposium lädt dazu ein, Einblick in das bundesweit einzige Therapiekonzept zu erhalten.

An welche Zielgruppe richtet sich das Symposium?
Das Symposium „Die Mensch-Tier Beziehung in der Psychotherapie“ richtet sich an Tierärzte, Tiertherapeuten, Ärzte, Psychologen, Psychotherapeuten, Menschen in tiermedizinischen und tierpflegerischen Berufen.
Die Teilnehmer erwartet ein umfassenden Einblick in das Heiligenfelder Therapiekonzept, sowie das Kennenlernen der Heiligenfeld Kliniken. Nicht zuletzt findet auch ein Vortrag über die Therapieeffekte der Tierbegleitenden Therapie in Heiligenfeld statt.

 

Vorab haben wir auch zwei Referentinnen der Veranstaltung einige Fragen gestellt. Sabine Claßen und Gabriele Kluwe-Schleberger geben Ihnen einen exklusiven Einblick in ihre Vorträge.

Sabine Claßen ist Kreativtherapeutin in der tierbegleiteten Therapie der Heiligenfeld Klinik. Des Weiteren gründete Sie die Hundeschule in Bad Kissingen und ist Ausbilderin für die Rettungshunde der RHS Saaletal. Am Symposium wird Sie einen Workshop zum Thema „Achtsamkeit – Das Tier als Lehrer für die eigene Achtsamkeit“ halten.

Frau Claßen, in Ihrem Vortrag geht es um Achtsamkeit in Verbindung mit dem Tier. Wie praktizieren Sie selbst im Alltag Achtsamkeit?
Ich selber praktiziere Achtsamkeit zusammen mit meinen drei Hunden, am liebsten während des täglichen Gassi Gehens. Ich nehme mir bewusst 10-15 Minuten meines Spaziergangs Zeit, um im Hier und Jetzt die Aufmerksamkeit, wie Atmung, Geräusche und Umgebung zu lenken. Meine Aufmerksamkeit pendelt zwischen mir und meinen Hunden. Damit erweitere ich den Bereich der Achtsamkeit.

Welche Ergebnisse gibt es mit Achtsamkeit in Verbindung mit den Tieren?
Seit dem wir im TBT-Konzept Achtsamkeit mit dem Tier anbieten, konnte ich erleben, wie schnell die Menschen mit ihrem Tier durch gezielte Anleitung in die Achtsamkeit kommen. Achtsamkeit mit dem Tier heißt nichts anderes, als das die Aufmerksamkeit zwischen mir und meinem Hund pendelt. Somit wird der Bereich der Konzentration erweitert. Durch Achtsamkeit im Umgang mit dem Tier erleben die Menschen, wie bereichernd das Wahrnehmen ist, ohne es zu bewerten. Das wiederum kann sich positiv in Stresssituationen mit dem Hund auswirken.

Gabriele Kluwe-Schleberger arbeitet als Psychologische Psychotherapeutin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in eigener Praxis. Sie ist spezialisiert auf Psychotraumatherapie und arbeitet zudem mit der EMDR-Methode. Am Symposium spricht Sie über Traumatherapie mit Mensch und Tier.

Frau Kluwe-Schleberger, Ihr Vortrag beschäftigt sich mit dem Thema „Traumatherapie mit Mensch und Tier“. Können Sie uns vorab einen kleinen Einblick geben, welche Themenbereiche Sie darin bearbeiten?
Da die Vortragszeit begrenzt ist, sollen vor allem die Bereiche angesprochen werden, die für das Gelingen einer Traumatherapie mit dem Tier relevant sind, z. B. welche Therapiemethoden tierkompatibel sind und welchen Stellenwert das Tier bei traumatisierten Menschen hat. Es soll darum gehen, wie mit eigenen Tieren gearbeitet werden kann oder wie Tiere der Therapeutin in die Traumatherapie mit einbezogen werden können. Dabei geht es vor allem um Hunde, aber auch Katzen und Vögel. Pferde, Reptilien, Ratten oder Spinnentiere werden aufgrund der Kürze der Zeit weniger einbezogen. Auch welche Rolle Traumata bei engagierten Tierrettern spielen können, wird zwar Erwähnung finden, jedoch nicht ausführlich behandelt.

Gibt es Erfahrungen, mit welchen Tierarten diese Art der Therapie am besten funktioniert und bei welchen sich keine richtigen Ergebnisse erkennen lassen?
Ich glaube nicht, dass wir als Therapeuten definieren sollten, was für einen Patienten richtig oder falsch in der Therapiedynamik ist oder was als Ergebnis als richtig oder falsch eingeschätzt werden sollte. Erfolge sind eher nicht an die Tierart , sondern an die Kompetenz, Empathie und Bindungsfähigkeit des Therapeuten geknüpft. Aber auch das Setting und die Belastungs- und Integrationsfähigkeit des Patienten/ der Patienten spielen hier eine besondere Rolle.

Weitere Informationen sowie ein Anmeldeformular zum Symposium finden Sie hier. 
Im November 2017 fand bereits ein Symposium zur tierbegleiteten Therapie in der Akademie Heiligenfeld statt. Den Nachbericht zur Veranstaltung finden Sie ebenfalls auf unserer Webseite.

Bitte beachten Sie, dass keine Tiere in den Räumen der Akademie Heiligenfeld gestattet sind.