27 Aug 2019

Identitätsfokussierte Aufstellungsarbeit – Interview mit der Referentin Martina Behrentroth

An dem Wochenende vom 04. bis zum 06. Oktober findet erstmals in der Akademie Heiligenfeld das Seminar „Identitätsfokussierte Aufstellungsarbeit“ unter der Leitung von Martina Behrentroth und Alexander Bauer statt. Um Ihnen einen kleinen Vorgeschmack geben zu können, haben wir vorab ein Interview mit der Referentin Martina Behrentroth, Bezugstherapeutin der Heiligenfeld Klinik in Bad Kissingen, geführt:

Was versteht man unter Identitätsfokussierter Aufstellungsarbeit und was sind die Unterschiede zur klassischen Aufstellungsarbeit?
„Aufstellungsarbeit“ generell bezeichnet ein Verfahren, bei dem Muster oder Dynamiken einer Person sichtbar gemacht werden, in dem Stellvertreter in Resonanz mit ausgewählten Anteilen gehen.

Die „Identitätsfokussierte Aufstellungsarbeit“ ist hierbei eine neuartige Methode, die die Grundlagen der Bindungsforschung mit einbezieht. Frühe Erfahrungen von Trennung, Ablehnung, Vernachlässigung etc. blockieren schon früh eine kontinuierliche und gesunde Identitätsentwicklung. Auswirkungen davon sind, dass alle emotionale und körperliche Prozesse nur noch auf das Überleben ausgerichtet sind. Die Menschen fragen sich selbst später: „Wer bin ich eigentlich? Was will ich im Leben? Wie bekomme ich Kontakt zu mir selbst und wie komme ich zur Lebensfreude und mehr Kraft?“. Sie empfinden schon lange eine innere Leere, leiden an Sinnlosigkeitsgefühlen, Orientierungslosigkeit, Depressionen, Ängsten, Abhängigkeitserkrankungen, Zwängen und Schmerzen.
Wir legen den Fokus auf die Identitäts- und Autonomieentwicklung der aufstellenden Person, sodass sich diese in ihren verschiedenen Anteilen besser kennenlernt. Unbewusst wirkende Verletzungen oder auch tief liegende Traumata kommen ans Licht und es wird deutlich, inwieweit diese die Entwicklung behindert haben. Das Verarbeiten der Entwicklungstraumata durch das Bewusstwerden der abgespaltenen Anteile ist unabdingbar, um ganz in die eigene Person und in das eigene Ich hineinzuwachsen bzw. dieses wiederzufinden.

Der Unterschied zur klassischen (systemischen) Aufstellungsarbeit ist, dass der/die Einzelne direkt mit Hilfe eines „Anliegensatzes“ seine Anteile darstellt und wir ihn weniger als Teil eines Systems, in welchem er/sie bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat, sehen. Wir begreifen den Menschen vielmehr als ein Individuum, welches (im Sinne der Individuation) seine Eigenständigkeit und Autonomie stärken kann, um sich so den eigenen, wirksamen Selbstanteilen zuzuwenden. Damit wird er/sie sich immer mehr im eigenen Leben verwurzeln und verankern können.

Wie ist das Seminar inhaltlich strukturiert und an wen richtet es sich?
Das Seminar richtet sich an alle, die sich die Frage nach dem eigenen Ich, ihrer Identität, stellen und die schon lange oder immer das Gefühl hatten, nicht so ganz in ihrem Leben zu stehen. Es deckt tiefer liegende Schichten, Themen und auch Traumata auf und befähigt damit die Menschen, sich selbst besser mit all ihren Anteilen kennenzulernen. Wir sind dabei bemüht, diese unbekannten und abgespaltenen Anteile so anzuschauen, dass die Aufstellenden nicht überflutet werden und diese ihnen verständlich werden.

Können die Teilnehmer die Seminarinhalte auch eigenständig in ihrem Alltag integrieren?
Die Teilnehmer eines Aufstellungswochenendes können und sollten auftauchende Themen, je nach Schwere des auftauchenden Materials, mit einer begleitenden Psychotherapie verarbeiten. Es gibt auch die Möglichkeit, wiederholt und progressiv diese Art der Aufstellungsarbeit zu machen.

Weitere Informationen sowie ein Anmeldeformular zum Seminar finden Sie hier.