Heiligenfelder Gespräch Hochsensibilität

Hochsensibilität ist keine Krankheit – Fachtagung zum Thema Hochsensibilität lockt 250 Teilnehmer nach Bad Kissingen

Am Samstag, den 18.03.2017 haben 250 Ärzte und Therapeuten an der Fachtagung „Hochsensibilität in der Psychotherapie“ teilgenommen. Veranstalter war die Akademie Heiligenfeld, die Bildungseinrichtung der Unternehmensgruppe Heiligenfeld in Bad Kissingen. Unter der Leitung von Dr. Joachim Galuska gingen die Referenten auf die Potenziale und Herausforderungen der Hochsensibilität ein, zeigten Forschungsergebnisse von hochsensiblen Patienten in der Psychotherapie auf und ließen die Hochsensibilität in der Psychotherapie erleben. Dabei wurde sowohl die Hochsensibilität von Seiten der Therapeuten als auch von Seiten der betroffenen hochsensiblen Menschen betrachtet.

Jeder Fünfte in Deutschland ist hochsensibel

Dr. Joachim Galuska erklärte in seiner Einführung die  „Hochsensibilität“ bzw. „hochsensible Person“ (HSP), welchen die amerikanische Psychologin und Psychotherapeutin Dr. Elaine N. Aron in der Mitte der 1990er Jahre prägte. Hochsensible Menschen besitzen laut Aron ein spezifisches Persönlichkeits- oder Wesensmerkmal, welches sich vor allem durch eine gesteigerte Empfindsamkeit und Wahrnehmung auszeichnet. Forschungsergebnisse zeigen, etwa 15 – 20 Prozent der Menschen in der Gesamtbevölkerung können als hochsensibel bezeichnet werden. Die Heiligenfeld Kliniken behandeln seit 25 Jahren Patienten, die dieses Persönlichkeitsmerkmal neben der eigentlichen Diagnose der psychosomatischen Erkrankung aufweist. Die beiden angehenden Psychologinnen Teele Tamm und Devina Galsuka berichteten in ihrem Vortrag über die Forschungsergebnisse zur Erfassung von Hochsensibilität.

Ressourcen und Potenziale hochsensibler Menschen

In dem Vortrag „Ressourcen und Potenziale hochsensibler Menschen, eine ganzheitliche integrative Annäherung“ von Martin Bertsch, Leiter des Instituts für Persönlichkeitsentwicklung in der Schweiz, konnten die anwesenden Teilnehmer ganz praktisch anhand von Fragen selbst testen, ob sie hochsensibel sind. Hochsensible Menschen verfügen über besondere Stärken wie etwa eine gute Intuition, ein reichhaltiges Innenleben, lebhafte Vorstellungskraft sowie Selbstreflexion. Demgegenüber stehen die Herausforderungen wie verminderte Stressresistenz, Perfektionismus, Weltschmerz, oder Schmerzempfindlichkeit. Bertsch versteht Hochsensibilität jedoch nicht nur als eine Charaktereigenschaft, sondern auch als Temperament und warnte vor der „Heilsdiagnose Hochsensibilität“ und sagte „Die wichtigste Ursache für Probleme sensibler und energetisch offener Menschen beruht in ungelösten psychischen Problemen“.

Hochsensibilität ist keine Krankheit

In ihrem Vortrag zeigten Dr. Cristina Pohribneac, Oberärztin der Parkklinik Heiligenfeld und Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, und Lara Pietzko, Leitende Therapeutin für den Fachbereich Kreativtherapie, wie das Behandlungskonzept in der Parkklinik Heiligenfeld umgesetzt wird. Laut Pohribneac ist Hochsensibilität nur ein Persönlichkeitsmerkmal und keine Krankheit. Hochsensibilität kann aber ein Risikofaktor für Depression, Angst, Panikstörungen, Sucht, somatoforme chronische Schmerzstörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen sowie der Borderline Persönlichkeitsstörung sein. Die Heiligenfeld Kliniken behandeln bereits seit 25 Jahren HSP-Patienten, früher wurden diese als mediale und sensible Patienten mit einer schwachen Abgrenzung benannt.