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Interview mit Silvia Kirsch – Die Psychologin der Parkklinik spricht über Ihre Erfahrungen mit der Tierbegleiteten Therapie

Am Freitag den 17.11.2017 findet im Seminarhaus der Akademie das Symposium „Tierbegleitete Therapie – Seelenheil für Mensch und Tier“ statt. Verschiedene Referenten, so wie auch die Psychologin Silvia Kirsch, werden Vorträge und Workshops halten. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen mit der Tierbegleiteten Therapie gefragt:

 

  1. Frau Kirsch, Sie arbeiten als Psychologin in der Parkklinik und leiten dort die Gruppen- und Einzelsettings der tierbegleiteten Therapie. Wie kann man sich Gruppen- und Einzelsettings vorstellen und welche Themen werden dort behandelt?

In unserer Gruppe „Gesunde Beziehung Mensch-Tier“ beleuchten wir die Beziehung zwischen Mensch und Tier aus verschiedenen Perspektiven. Die Basis bildet

ein Verständnis für das Kommunikationsverhalten der Hunde. Darauf aufbauend betrachten wir die Frage, wie die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist. Also beispielsweise wer in der Beziehung führt und wer folgt? Wie ist das Vertrauen zwischen Mensch und Hund? Was braucht der Hund von seinem Menschen, um ihm vertrauen und folgen zu können? Wie souverän erlebt der Hund seinen Menschen?
Außerdem gehen wir der Frage nach, welche Rolle der Hund im Familiensystem spielt, inwiefern der Hund ein Spiegel der Seele ist und wir beschäftigen uns auch mit dem Thema Sterbebegleitung und Sterben von Hunden.
In den Einzelsettings werden einzelne Themen vertieft. Hier wird u.a daran gearbeitet, welche Projektionen die Patienten auf den Hund haben. Das heißt, welche eigene

unerwünschte, unangenehme, unerlaubte Gefühle, Impulse und Wünsche verlagere ich auf das Tier. Manchmal denken Menschen z.B., dass der Hund sie beschützt oder tröstet. Da muss man jedoch genau hinschauen, ob das wirklich so ist oder ob der Hund in einer Situation einfach überfordert ist und eigentlich Führung und Klarheit durch seinen Menschen bräuchte. Auch wird in Einzelsettings an Themen wie Grenzen setzen können, Entwicklung von Körperbewusstsein und -wahrnehmung, Verlust des Hundes, schwierige Situationen mit dem Hund und der Frage welche Bedürfnisse sich der Pat durch den Hund befriedigt gearbeitet.

 

  1. Welche Problematiken/Indikatoren/Krankheitsbilder treten bei Mensch und Tier auf?

Die Patienten mit Hund haben die gleichen Krankheitsbilder wie auch die Patienten, die ohne Hund in unsere Klinik kommen. Das umfasst u.a. Depressionen, Angst- und Panikstörungen, schwere Krisen, Erschöpfungs- und Burnout-Zustände, psychosomatische Störungen, Essstörungen usw.
Wenn es dem Tierbesitzer nicht gut geht, kann dies auch höhere Belastung und Stress für das Tier bedeuten. D.h. es ist unruhig, hektisch, überfordert. Manche reagieren auf Stress auch körperlich, z.B. mit Durchfall oder Erbrechen. Manche jedoch werden auch lethargisch und depressiv. Es kommt sehr auf den Hund an, wie er mit Stress umgeht.

 

  1. In Ihrem Workshop erfahren die Teilnehmer, was das Tier dem Menschen für sein Leben gibt. Welche Erfahrungen haben Sie in der Therapie gemacht?

Oft ist es für unsere Patienten wichtig, eine geregelte Tagesstruktur zu haben. Hier hilft der Hund natürlich ungemein. Auch dass die Menschen mit dem Hund raus gehen MÜSSEN, wird oft als bereichernd empfunden, da viele Menschen ohne ihren Hund nicht täglich nach draußen in die Natur gehen würden. Viele erleben durch ihr Tier auch das Gefühl bedingungsloser Liebe und Zugehörigkeit. Da ist jemand, der gehört bedingungslos zu ihnen und ist dem es egal, wie z.B. das Äußere des Menschen ist. „Mit dem Hund kann ich sein – so wie ich bin – ich muss mich nicht verstellen“ ist auch ein häufig genanntes Qualitätsmerkmal der Beziehung zum Tier.
Für einige unserer Patienten ist die Liebe zum Tier und die Verantwortung für das Tier auch der einzige Grund, warum sie überhaupt noch am Leben sind.
Außerdem gibt es viele Dinge, die Menschen im Zusammensein mit dem Tier lernen können.
Als Beispiel sei hier die Präsenz genannt – d.h. mit meinen Gedanken, Gefühlen, und Wahrnehmungen im Hier und Jetzt anwesend zu sein. Und nicht beim Spaziergang an den Streit von vorhin, an das nächste Date oder den Kontostand zu denken. Denn das merkt der Hund sofort und geht dann lieber jagen oder ähnliches.
In dem Workshop geht es u.a. darum zu erkunden, was der eigene Hund (oder das eigene Tier) für die Teilnehmenden bedeutet, sowie herauszufinden, was das eigene Tier über die Teilnehmenden selbst spiegelt. Hierzu wird es verschiedene Übungen geben.

 

  1. Sie halten einen Vortrag zum Thema „Seelenverbindung“. Wie stellen Sie die Seelenverbindung zwischen Mensch und Tier in der Therapie her?

In der Therapie geht es darum, dass die Patienten sich dieser „Seelenverbindung“ bewusst(er) werden. Deswegen lehren wir, was der Hund auf den verschiedenen Ebenen unseres Seins – also der körperlichen, der emotionalen, der mentalen, und der seelischen Ebene spiegelt.
In der tierbegleiteten Therapie führen wir auch eine Meditation durch, mit Hilfe derer die Patienten bewusst die Seelenverbindung herbeiführen und wahrnehmen können. In dem Vortrag werde ich eine solche Meditation anleiten und die Teilnehmenden dazu einladen, mit ihrer Seele, sowie mit der Seele ihres Tiers bewusst in Verbindung zu treten

 

  1. Welches Erlebnis/welche Erfahrung ist Ihnen in den letzten Jahren in Erinnerung geblieben?

Es gab viele schöne Erlebnisse in der Arbeit mit Mensch und Tier. Ein sehr berührendes Erlebnis war, als eine depressive Patientin mit ihrem Hund entdeckt hat, dass sie sehr viel Spaß haben kann. Sie konnte sich überwinden und spielte plötzlich so ausgelassen mit ihrem Hund und strahlte danach über beide Ohren. Auch der Hund war total beglückt. Das war sehr berührend. Oder der alte Hund einer Patienten, der genauso depressiv wie sie war. Die Patientin erkannte, dass es an ihr liegt, ob ihr Hund wieder mehr Lebensfreude hat. Sowohl die Patientin, als auch der Hund blühten zusammen auf und der alte Hund strahlte wieder.